KIKUSCH Jahresausstellung 2025
Die diesjährige Jahresausstellung der KIKUSCH wurde am 11. Oktober 2025 unter dem Thema „Durch Raum und Zeit“ eröffnet. Dieses Mal wurde sie vom Jugendrat mit viel Eigeninitiative und kreativen Ideen gestaltet, was ihr einen ganz besonderen Charakter verlieh. Der Jugendrat ist eine offene Gruppe für Kinder und Jugendliche, die aktiv am Leben der Kunstschule teilnimmt. Die Mitgliederinnen und Mitglieder bringen ihre Ideen ein, planen eigene Projekte und Veranstaltungen und vertreten so die Interessen der Kinder innerhalb der KIKUSCH.
Der Jugendrat beteiligte sich bei der Ideenfindung, der Planung, der Auswahl der auszustellenden Werke als auch bei dem Aufbau.
Mit Unterstützung des Teams wurde in der alten Apotheke und der ehemaligen Synagoge eine beeindruckende Ausstellung auf die Beine gestellt, die uns freundlicherweise vom Kunstverein Walldorf beziehungsweise der Stadt Walldorf zur Verfügung gestellt wurden. Die Vernissage begann in der alten Apotheke mit herzlichen Dankesworten von der ehrenamtlich stellvertretenden Bürgermeisterin Petra Wahl. Sie drückte vor Allem Wertschätzung für den Jugendrat und die Leitung Elisabeth Kamps aus, deren Engagement es ermöglicht, dass junge Menschen hier Kunst schaffen und Kultur bereichern. Besonders hervorzuheben war hierbei der lobenswerte Einsatz des Jugendrats, der von der Ideenfindung, der Planung, der Auswahl der auszustellenden Werke bis hin zum Aufbau mitwirkte. Passend zum Thema der Ausstellung erschienen die Mitgliederinnen des Jugendrats als fantasievoll gestaltete Aliens, mit selbst genähten Kostümen, Umhängetaschen und detailreich ausgearbeiteten Accessoires. In den Taschen befanden sich kleine Reagenzgläser mit vermeintlich „außerirdischem Material“, etwa „Steine vom Mars“, „außerirdische Luft“ oder geheimnisvolle Mischungen. Sogar ein eigenes, unentzifferbares Alien-Alphabet wurde entwickelt, das auf den Namensschildern der Kinder zu sehen war. Anschließend hielt der Jugendrat die Eröffnungsrede auf „alienisch“, eine Sprache, die die Menschen der Erde nicht beherrschen. Jedoch konnte eine unter ihnen, ein Diplomatenalien, das Gesagte auf Menschensprache übersetzen und somit die Ausstellung eröffnen.
Anschließend ging es mit einer musikalischen Einheit weiter. Statt Farbe und Pinsel stand nun Klang im Vordergrund. Durch originelle Einfälle wurde eine Staffelei, die als Gerüst diente, zu einem Klangobjekt umfunktioniert, das zum wahren Glanzstück der Ausstellung avancierte. Mittig verliefen gespannte Saiten, und außen herum ergänzten beispielsweise Becken, Trommeln und Glocken die Konstruktion. Neben gewöhnlichen Schlägern ließen auch ein Schneebesen und ein alter Geigenbogen das Instrument erklingen. Der Jugendrat präsentierte diese selbst gebaute Klangskulptur in einem Vorspiel und beendete das Stück mit einem lauten Klang, der beim Publikum für überraschte Gesichter und herzhaftes Lachen sorgte.
In der alten Apotheke warteten weitere kreative Beiträge: Neben dem Instrument waren hier Kunstwerke von Galaxien in unterschiedlichsten Formen und Farben zu sehen. Allgemein war festzustellen, dass die ausgestellten Werke in einer Vielzahl künstlerischer Techniken gestaltet wurden, darunter Malerei, Druckgrafik oder plastische Arbeiten.
Besonders erwähnenswert war ein Ölgemälde, auf dem ein Museum, das berühmte Werke von beispielsweise Frida Kahlo bis Vincent Van Gogh ausstellt, abgebildet war. Hier wurde das Thema „Durch Raum und Zeit“ auf eine zeitgeschichtliche Ebene gehoben, so wie eine kleine Reise durch die Kunstgeschichte selbst.

Mein persönliches Highlight in der alten Apotheke war jedoch eine riesige hängende Karotte, raumschiffähnlich und mit einem weißen Hasen an Bord.
In der ehemaligen Synagoge begann der Rundgang ebenso mit einem Blickfang: einer betretbaren Zeitmaschine, beleuchtet mit Lichterketten, wobei eine Plattform mit Rollen als Basis diente. Dies erleichterte den Transport erheblich, da sich die Zeitmaschine so problemlos verschieben ließ.
Beim Betreten des Saals fielen direkt die schwebenden, kunterbunten Raketen und Planeten auf, die von der hohen Decke herabhingen und dem Raum eine fast magische Atmosphäre verliehen. Einer der Planeten war gefüllt, sodass er beim Schütteln rasselte und damit die Idee der klangvollen Kunst wie beim selbstgebauten Instrument fortsetzte.

Zudem entdeckte man menschengroß gemalte Astronauten auf Pappe und auch Pappaufsteller, bei denen Besuchende ihre Gesichter in ein Guckloch stecken konnten, um somit für einen kurzen Moment selbst zu einem Alien zu werden. Daneben stand eine Polaroid-Kamera auf einem Tisch, sodass man sein außerirdisches Ich direkt festhalten konnte. Darüber hinaus waren zum Beispiel Alienschuhe, Landkarten einer fiktiven Alienwelt sowie ein Roboterkostüm, welches aus einem Karton gefertigt war, in den man mit den Armen schlüpfen konnte, Teil der Ausstellung. Die Aliens selbst waren in den unterschiedlichsten Formen gestaltet. Manche erinnerten an tierähnliche Wesen, andere wirkten abstrakt, wieder andere zeigten das klassische Bild eines grünen Wesens mit ovalem, nach unten schmal verlaufendem Gesicht.
Unter der Woche nach der Vernissage besichtigten manche Kurse der Kunstschule die Ausstellung, darunter die KIKUSCH-AGs der Schillerschule Walldorf. Die Kinder zeigten viel Interesse und waren motiviert, darüber nachzudenken, was abstraktere Werke darstellen könnten. Manche blieben bei „Durch Raum und Zeit“ und andere entwickelten völlig andere Ideen, wodurch sich die Vielfältigkeit und Grenzenlosigkeit des Themas ausdrückte. Nach einer Führung durch die Ausstellung durften die Schülerinnen und Schüler jeweils zu zweit in die Zeitmaschine treten, um somit in eine andere Zeit ihrer Wünsche zu reisen. Anschließend wurde auf einem Blatt mit Ölkreide etwas, passend zur Ausstellung, gemalt. Trotz ihrer unterschiedlichen Herangehensweisen beim Entdecken der Ausstellung der unterschiedlichen Gruppen hatten alle eines gemeinsam: ihre große Begeisterung für das selbst gebaute Musikinstrument.
„Durch Raum und Zeit“ vereint hierbei Gegensätze, da die unterschiedlichen Definitionen der Wörter in einem deutlichen Kontrast zueinander stehen. Ein Raum kann den begrenzten Raum des Alltags meinen, wie ein Zimmer, das einen umschließt. Andererseits kann man ihn ebenso als den unendlichen Weltraum, der keine Grenzen kennt, verstehen. Zudem kann Zeit als messbar und strukturiert erlebt werden, oder als etwas endlos Fortlaufendes, das bis hin zu vergangenen und zukünftigen Welten reicht. Die jungen Künstlerinnen und Künstler haben diese Begriffe vor allem in ihrer weiten, offenen Bedeutung verstanden: als Einladung, sich frei durch Universum und Zeitalter zu bewegen. Vielleicht liegt genau darin der Reiz des Themas, dass es zwar Grenzen andeutet, aber noch stärker dazu anregt, sie zu überschreiten.
Text: Rojda Eroglu – KIKUSCH FSJ 2025/2026
Fotogalerie



















































